Pferdebahnwagen

Über die Wagen der Potsdamer Pferdebahn gibt es nur wenig und oftmals auch widersprüchliches Material. Hier erfährst Du die wesentlichen Daten zu den bekannten Fahrzeugen.

Die Fahrzeuge

Hatten die ersten deutschen Pferdebahnbetriebe ihre Wagen zumeist aus Amerika bezogen, konnte Potsdam im Jahre 1880 schon auf heimische Hersteller zurückgreifen. Es gab mit den Firmen Herbrand & Ko. in Ehrenfeld bei Köln, der Linkeschen Fabrik in Breslau und Görlitz und der Wagenfabrik Ludwigshafen drei große Anbieter. Bekannt ist, dass zur Eröffnung des Potsdamer Pferdebahnbetriebes insgesamt 29 Fahrzeuge zur Verfügung standen. Ein großer Teil der Wagen kam von der Wagenfabrik in Ludwigshafen. Da jedoch unterschiedliche Bauarten nachgewiesen sind, ist nicht auszuschließen, dass auch die anderen Hersteller Wagenmaterial geliefert haben.

 

Der Wagenpark wuchs stetig. Bis 1884 gab es 31 Wagen, 1888 schon 39, 1892 42 und bis 1907 insgesamt 54 Wagen. Die oben genannte Firma Hebrand & Ko. kam zumindest 1892 zum Zuge, als sie drei geräumige "Metropolwagen" nach Potsdam lieferte.

 

Im Einzelnen standen in der Pferdebahnzeit von 1880 bis 1907 folgende Wagentypenim Einsatz:

  • geschlossener vierfenstriger Einspänner
  • geschlossener vierfenstriger Zweispänner, "Kaiserwagen" 
  • geschlossener fünffenstriger Zweispänner, "Metropolwagen"
  • geschlossener sechsfenstriger Zweispänner mit Decksitzen, Typ "Stephenson"
  • offener kurzer Zweispänner (Sommerwagen)
  • offener langer Zweispänner mit Decksitzen, Typ "Stephenson" (Sommerwagen)

 

Weiterbetrieb als Beiwagen

 

Ursprünglich hatte die Stadt, die die Pferdebahngesellschaft im Jahre 1904 übernommen hatte, geplant, etliche Wagen als Beiwagen für den elektrischen Betrieb umzunutzen. Aus unbekannten Gründen wurden letztlich jedoch nur elf Wagen nach der Elektrifizierung weitergenutzt, die restlichen hingegen abgebrochen. In eigener Werkstatt wurden die Fahrzeuge mit neuen Untergestellen, Plattformen und Plattformseitenwänden der Firma Lindner ausgestattet. Auch Dächer und Bremsausrüstung stammten aus Ammendorf. Die neuen Beiwagen bekamen die Nummern 31 - 35 (ehemalige Kaiserwagen), 51 und 53 - 57 (53 - 55 ehemalige Metropolwagen).

 

Der als Gerätewagen genutzte Wagen 51 wurde um 1913 bereits verschrottet, die Wagen 56 und 57 fuhren bis ca. 1917. Alle anderen blieben bis kurz vor Ende des II. Weltkrieges für Verstärkerfahrten erhalten.

1943 wurden drei der ehemaligen Kaiserwagen (31, 31 und 35) zu Güterloren umgebaut. Die Aufbauten blieben für eine spätere Wiederverwendung erhalten. In den letzten Tagen vor der Befreiung Potsdams durch die Rote Armee kam es zu erbitterten Straßenschlachten. Hier mussten die hinterstellten Aufbauten der Beiwagen und auch zwei komplette Fahrzeuge (33 und 34) als Barrikaden herhalten. Von den Wagen und Aufbauten war danach nichts mehr zu verwenden. Auch die Metropolwagen 53, 54 und 55 fielen dem II. Weltkrieg zum Opfer. Eine handvoll Untergestelle diente jedoch nach Kriegsende weiter als Flachwagen im Gleisbau oder mit neuen Aufbauten anderen innerbetrieblichen Zwecken. Wann diese letztlich ausgemustert wurden ist unbekannt.

Bildergalerie

Fahrzeugliste

Wagennr.  Baujahr  Hersteller Anzahl Bemerkung
         
1 - 29 1880 Wagenfabrik Ludwigshafen 29

geschlossene Einspänner und Zweispänner (Kaiserwagen),

bis 1893 7 Wagen a und ersetzt,
1907 fünf Wagen in Beiwagen (31-35)

30 -37 1888 ? 8 geschlossene Einspänner,
ein Wagen 1907 in 51 (Gerätewagen, 1913 a) 
38 ... 58 ? ? 8 offener Zweispänner, einzelne bis 1907
71, 72 1892 ? 2 geschlossener sechsfenstriger Zweispänner mit Decksitzen,
Typ "Stephenson"
73 - 75 1892 Hebrand Köln 3 geschlossener fünffenstriger Zweispänner, "Metropolwagen",
1907 in Beiwagen (53 - 55)
76 1892 ? 1 geschlossener sechsfenstriger Zweispänner mit Decksitzen,
Typ "Stephenson"
77 - 79 1880/85 ? 3 offener langer Zweispänner mit Decksitzen, Typ "Stephenson"